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LuWo – Nr. 4 – 26. Januar 2012

Lokales LUDWIGSBURGER WOCHENBLATT DONNERSTAG, 26. JANUAR 2012, NR. 4 In der Musikhalle tun sich auf und unter den Bögen sowie zwischen den beiden berühmten Buchdeckeln wieder Welten auf. Foto: Alfred Drossel Antiquaria 2012 setzt französische Akzente Die Deutschen lieben Bücher. Darum ist es kein Zufall, dass Carl Spitzwegs Gemälde "Der arme Poet" keine Mühe hatte, sich in das kollektive Ge- dächtnis der Nation einzuprä- gen. Es wurde zu einem ihrer Lieblingsbilder. Der unter Geldmangel lei- dende Münchner Poet Mathi- as Etenhueber, den Spitzweg 1837 mit einem Schirm in ei- ner undichten Dachkammer im Bett liegend (mit Zipfel- mütze) gemalt hat, hält auch in schwierigen Zeiten an dem fest, was ihm heilig ist: an sei- nen Büchern und an der Vers- kunst. Wie tief er damit nach bürgerlichen Maßstäben ge- sunken ist? Geschenkt. Der Stur- und Querkopf weckt bei jedem Betrachter Sympathie. Die Deutschen lieben ihre Dichter, und in besonderen Fällen ist mit ihnen sogar Geld zu verdienen. Wer sein Gespartes in gewagte Papiere fließen lässt, sagen wir in die Schatzbriefe von Staaten mit Zahlungsschwierigkeiten, der muss sich nicht wundern, wenn er eines Tages selbst ei- nen Rettungsschirm braucht. Die 26. Antiquariatsmesse Ludwigsburg findet in der Musikhalle vom 26. bis zum 28. Januar statt – Frankreich als Rahmenthema Ludwigsburg: Am Freitag wird in der Musikhalle vis-à-vis des Ludwigsburger Bahnhofes um 15 Uhr die 26. Antiquaria er- öffnet. Sie ist in diesem Jahr auch eine "antiquaria gallica". Der Grund: Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle hielt vor 50 Jahren im Ludwigsburger Schlosshof sei- ne Rede an die deutsche Ju- gend. Das internationale Tref- fen der Bücherfreunde geht von Donnerstag bis Samstag. Da haben es die Besucher der Antiquaria besser. Sie ge- ben ihr Erspartes lieber für seltene Druckwerke aus und müssen sich fortan über Wert- verluste keine Gedanken mehr machen. Bücher, alte Zeichnungen, Grafiken und Skizzen von Meisterhand sind, wie man so schön sagt, von bleibendem oder sogar steigendem Wert. Es sind Schätze, die dreifach leuchten. Sie haben einen ide- ellen, einen ästhetischen und, wenn man die Preise, die bei der Antiquaria von den 55 Ausstellern aus fünf Ländern aufgerufen werden, betrach- tet, auch einen hohen materi- ellen Wert. Eines der Spitzen- exponate der diesjährigen Bü- cherschau ist ein prächtiger Atlas mit 30 doppelblattgro- ßen kolorierten Kupferkarten von Johann Gabriel Doppel- mayr. Er ist am Stand des Wiener Antiquariats Bauer für 20000 Euro zu haben. Rembrandt-Radierung für 10 000 Euro Für gut die Hälfte ist eine Radierung von Rembrandt am Tisch des Kundhändlers Gottfried Pütz aus Müllheim wohlfeil. Die 11,5 mal 8,1 Zentimeter große Abbildung "Der heilige Hieronymus im Gebet" aus dem Jahre 1635 kostet 10 000 Euro. Die Antiquaria Ludwigs- burg wird wieder vom Stutt- garter Architektur-Antiquari- at Petra Bewer veranstaltet. Wie in jedem Jahr dominie- ren in der Musikhalle nicht die hohen Preise jenseits der 10000 Euro, nein, die Prezio- sen zwischen 100 und 1000 Euro bestimmen das Angebot. Da wäre zum Beispiel ein Dekret von Napoleon III, das jener am 15. Oktober 1851 unterschrieben hat. Es kostet beim Versandantiquariat Ma- nuscryptum 280 Euro. Beim Betrachten des 140 Seiten starken Katalogs fällt auf, dass neben vielen Ange- boten die französische Triko- lore flattert. Es entsteht der Eindruck, als habe die Veran- stalterin alle Antiquariate ge- beten, bei der Zusammenstel- lung ihrer Ludwigsburger Auslage besonders auf Fran- zösisches zu achten. Klar. Frankreich ist das Rahmen- thema. Nicht nur wegen der Rede Charles de Gaulles. 1948 wurde in Ludwigs- burg das deutsch-französische Institut gegründet, und seit 1950 sind Ludwigsburg und Montbéliard Partnerstädte. Der Antiquaria-Preis 2012 für Buchkultur geht an Cle- mens-Tobias Lange. Er wird für seine Verdienste um die Gestaltung besonderer Künst- lerbücher geehrt. Die öffentli- che Preisverleihung beginnt 26. Januar um 20.15 Uhr, al- so nach den TV-Nachrichten, im Podium der Musikhalle. Eine der Meldungen des Ta- ges könnte aus New York stammen. Denn dort wird, welch Zufall, am Tage der An- tiquariatseröffnung in Lud- wigsburg bei Sotheby's eine 32 mal 43 Zentimeter große Ölstudie von Carl Spitzwegs "Der arme Poet" versteigert. Der Schätzpreis liegt bei 60000 bis 80000 Dollar. Er wird, nach Meinung aller Kenner, deutlich überschrit- ten werden. Michael Langjahr Bei Bewer zu haben. Plakate: Tagwacht (480 Euro), Tagblatt (620 Euro). Foto: Katalog 26. Antiquaria, 26. bis 28. Januar, Musikhalle Ludwigsburg Eintritt: 3 Euro. Alle Angebote des Messekatalogs müssen bei der Eröffnung bereitliegen. www.antiquaria-ludwigsburg.de INFORMATION DENKZETTEL Schnee am 26. April In diesem Winter mussten in Ludwigsburg bisher an zwei Tagen größere Schneeräumdienste ver- richtet werden. Jedes Mal hat es mich getroffen, was bei neun Hausparteien, die sich täglich beim Winterdienst abwechseln, ein ausgesprochenes Pech ist. Ich beschwere mich nicht. Pech in der Winterlotterie, Glück in der Liebe. Übrigens hat die umsichtige Schneeräumbehörde in unserem Hause den Winterplan diesmal besonders nach- haltig gestaltet. Die Einteilung geht bis Ende Ap- ril. Insofern kann ich den Lesern nur raten, für den 26. April warme Kleidung und den Schnee- schieber bereitzuhalten. Michel Kraftvoll und komödian- tisch verführt Carlo Gol- donis Klassiker „Der Die- ner zweier Herren“ glei- chermaßen zum Lachen und zum Nachdenken. Dieser Brüller ist voller Spielwitz und Tempo, ein Kunststück und ein großer Spaß! Die Wuppertaler Büh- nen zeigen einen Edel- mann auf der Flucht. Seine Geliebte reist ihm in als Mann verkleidet hinterher. Der Zufall führt das Paar am selben Ort zusammen. Truffaldino, der ewig blanke Lebenskünstler, stellt sein Improvisati- onsgenie gerne zur Ver- fügung und heuert als beider Diener an. Es ist ein Amt ohne Pausen. Die Commedia dell'Arte blüht im Forum am Schlosspark Der Diener und seine Herren. MERKZETTEL 29. Januar, 19 Uhr Diener zweier Herren Forum, Ludwigsburg Karten: (07141) 910 3900 „The Descendants“ von Alexander Payne räumt endgültig mit der Idee vom ewigen Glück auf, das jene gepachtet ha- ben sollen, die das Leben auf eine Inselkette im Pazifik verschlagen hat. Ein, man kann es nicht anders sagen, wirklich großartiger George Cloo- ney spielt den Hawaii-Hemdträger Matt King, dem das Lachen vergangen ist. Seine Frau, die ihn betrogen hat, liegt nach einem Unfall im Koma. Mit seinen Töchtern macht er sich auf die Suche nach dem Ne- benbuhler. Wie gesagt: Clooney ist top. Aber man achte auch auf Amara Miller als Matt Kings jüngste Tochter. Die hat was. mic George Clooney und die Sorgen eines Vaters im Caligari George Clooney. Foto: Verleih MERKZETTEL Start: 26. Januar The Descendants Caligari, Ludwigsburg Karten: (071 41) 905011 STARKE TIPPS Olaf Polziehn kehrt mit seinem Trio heim und wird vom Altsaxofonisten Jesse Davis unterstützt – Jazz vom Allerfeinsten Ein Heimspiel beim Jazzkonzert der Extraklasse Am Samstag, 4. Februar, kehrt mit Olaf Polziehn ein bekannter Freiberger wieder in seine Hei- matstadt zurück, um mit sei- nem Trio und Stargast Jesse Davis um 20 Uhr in der Schloss- kelter dem Jazz zu huldigen. Der in Freiberg aufgewachse- ne Pianist Olaf Polziehn gehört mittlerweile zu den gefragtes- Freiberg: Ein Heimkehrer sorgt in Freiberg für Jazz- Schmankerl der Extraklasse. Das Olaf Polziehn Trio featu- ring Jesse Davis ist zu Gast. ten Pianisten Europas und nahm an Konzerten, TV- und CD-Produktionen in Europa und den USA, mit Musikern wie Randy Brecker, Patty Aus- tin, Bob Mintzer, Till Brönner, Scott Hamilton, Lewis Nash und vielen mehr teil. Seit 2008 ist er außerdem Professor für Jazzklavier an der renommier- ten Kunstuniversität in Graz. Mit Jesse Davis konnte Olaf Polziehn wieder einen Musiker von Weltklasseformat für eine gemeinsame Tournee gewin- nen. Der aus New Orleans oder Sonny Stitt und wird be- reits als deren Nachfolger ge- handelt. Bass spielt Polziehns langjähriger Weggefährte Ing- mar Heller, der seit kurzem Mitglied der renommierten NDR-Bigband ist. Am Schlag- zeug begleitet der Wiener Ma- rio Gonzi. Die vier Musiker werden sich im Bereich zwischen swingen- dem und modernem Main- stream-Jazz bewegen, die Grenzen dieses Stils auslotend. Karten gibt es im Vorverkauf für 15 Euro unter www.frei- berg-an.de sowie in allen Re- serviX-Vorverkaufsstellen. Info- telefon bei der Stadt Freiberg: (0 71 41) 278-0. stammende Altsaxophonist Da- vis steht in der Tradition großer Saxophonisten, wie Charlie Parker, Cannonball Adderly Olaf Polziehn bringt Jesse Davis mit. Fotos: pv AUS DER REGION Lesung über Demenz und Sitzung des Stadt-Seniorenrats Ludwigsburg: Gedanken, Gefühle und Erfahrungen aus der langjährigen häuslichen Pflege ihrer dementen Mut- ter und Tante hat Helga Maria Fix in Buchform gebracht: „…und langsam wird es dunkel“ heißt ihr Werk, das dem Leser Mut machen soll, sich mit der Krankheit aus- einanderzusetzen. Der Lesung, die am 30. Januar um 15 Uhr im städtischen Kulturzentrum in der Wilhelmstraße 9/1 stattfindet, schließt sich eine Diskussion und eine öf- fentliche Sitzung des Stadt-Seniorenrats Ludwigsburg an. Zuhörer und Gäste sind herzlich willkommen. Kurse für aktive Senioren Ludwigsburg: Das städtische Seniorenbüro bietet ab Montag, 30. Januar, von 9.30 bis 10.30 Uhr wieder ei- nen Kurs zum Gleichgewichtstraining an. Von 10.45 Uhr bis 11.45 Uhr besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an der Beckenbodengymnastik. Die Kurse finden in acht Einheiten, wöchentlich im Treffpunkt für Ältere, Stutt- garter Straße 12/1, statt. Die Gruppenleitung erhebt ei- ne Gebühr von 2,50 Euro pro Einheit. Bequeme Kleidung und ein Handtuch sollten mitgebracht werden.