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Voll des Lobes waren die Weinkenner bei der Präsentation des TELL-Lembergers in Marbach.

Voll des Lobes waren die Weinkenner bei der Präsentation des TELL-Lembergers in Marbach. 

Foto: Weingärtner Marbach

Bodenständiger Volltreffer

Bei den Weingärtnern der Schillerstadt schillert nicht nur der Schiller im Glase. Neben der bekannten Spezialität aus einem gemischten Satz von weißen und roten Trauben, gibt es in Marbach auch eine Edition, deren reinrassigen Weine nach einer Figur aus Schillers Bühnenwerken benannt wurden. Diese Reihe wurde jetzt um ein Lemberger-Schwergewicht par Excellence erweitert, um den Premium Lemberger „TELL“ des Jahrgangs 2015.

Marbach: Der Ort der Präsentation war gut gewählt. Im Deutschen Literaturarchiv unweit der bekannten Schillerstatue ging es vornehm zu wie einst am spanischen Hofe. Edle Gläser funkelten im Licht und warteten darauf, den dunklen Rotwein aufzunehmen, der in Dekantierkaraffen noch ein wenig Luft holen durfte, bevor es auf die große Bühne ging.
Nichts gegen „Don Carlos“, den klassischen Lemberger von den Rebgärten der Marbacher Weingärtner, der sicher auch sehr gut zu diesem fürstlichen Anlass gepasst hätte. Doch wie gesagt: Die Aufmerksamkeit galt an diesem Abend einem anderen Premium-Stoff, dem „TELL“, der ein absolutes Schwergewicht unter den Rotweinen Marbachs darstellt.
Schillers Figur Wilhelm Tell, so die Theorie der Marbacher Winzer, ist ein ausgezeichnetes Vorbild für jeden Wengerter. Denn versucht er nicht auch, der Natur immer nur das Allerbeste abzuringen?
Der Wein namens „TELL“ sei folglich das gekelterte Erzeugnis eines beherzten und tugendhaften Tatmenschen. Bodenständigkeit, Kraft, Treue zu sich selbst und Ehrlichkeit zeichnen ihn aus. Attribute und Tugenden, die Marbachs Wengerter aufs Beste verkörpern.
Da die Wahrheit bekanntlich im Weine liegt, fragten sich selbstverständlich die versammelte Kennerschaft, ob der „TELL“, den in ihn gesetzten Erwartungen gerecht werden könne.
Um es kurz zu machen. Der Wein überzeugte bei seiner Premiere in vollem Umfang. Allein der Anblick dieses Spitzenlembergers ist ein Gedicht. Ein intensives Rubinrot mit violetten Reflexen leuchtet im Glase. Der Körper des Jahrgangstropfes ist gewaltig. Eine gut eingebundene Tanninstruktur mit langem Reifepotenzial macht sich im Mund bemerkbar. Das üppige Bouquet prägen Aromen von Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren, Dörrpflaume, Piment und ein Hauch von Holunder.
Diese Qualität kann kein Zufall sein. Vorausgegangen ist eine mehrjährige Projektphase. Angetrieben, von der Idee, genossenschaftlich einen absoluten Spitzenwein hervorzubringen, erfolgte im ersten Schritt die Auswahl der Wengerter mit konsequenter Selektion bester Lagen und einer Ertragsreduzierung auf 70 kg je Ar. Das ausschließlich handgelesene beste Lesegut wurde im zweiten Schritt im Keller maischevergoren und im dritten Schritt in unterschiedlichen Holz-Barriquefässern sowohl in Erst- als auch in Zweit- und Drittbelegung ausgebaut.
Die Reifung der Weine im Keller wurde ständig sorgfältig überprüft und begleitet. Die vorherigen Jahrgänge der eingelagerten Lemberger konnten leider die hohen Ansprüche nicht in vollem Maße erfüllen. Mit dem Jahrgang 2015 ist nun, nun frei nach Friedrich Schillers Tell, der „Meisterschuss“ gelungen.
Der „TELL“ kostet derzeit 19 Euro. 

mic/WG