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Volker Kutscher, Autor der Gereon-Rath-Krimis (im Fernsehen bekannt als Krimiserie „Babylon Berlin“) ist zu Gast in Ludwigsburg.

Volker Kutscher, Autor der Gereon-Rath-Krimis (im Fernsehen bekannt als Krimiserie „Babylon Berlin“) ist zu Gast in Ludwigsburg.

Foto: Monika Sandel

Großes Kino Literatur

Vom 13. bis zum 28. Oktober finden in Ludwigsburg die 35. Baden-Württembergischen Literaturtage statt. Die Leser jubeln. Die Autoren kommen in Scharen. Das diesjährige Landesfest der Dichtkunst steht unter dem Motto: „Stadt werden“. Just 300 Jahre nachdem Ludwigsburg begann, eine Stadt zu werden, ist das eine gute Wahl.

Ludwigsburg: Die Kapitel des Romans „Literaturtage“ stehen längst fest. Auch die Inhalte wurden von den beiden Autoren, oder besser gesagt: Kuratoren, Silke Scheuermann und Matthias Göritz schon frühzeitig festgelegt. Jetzt müssen sie nur noch geschrieben werden, die kleinen und großen Gesichten des diesjährigen Literaturfestes in Ludwigsburg.
Die Leser sind hiermit herzlich eingeladen, daran tatkräftig mitzuwirken. Als Zuhörer, als Fragensteller, als Signaturjäger, als Besucher von vier sicher legendären Literaturnächten und als Wanderer in einem Literaturparcours.

Stadtschreiberin stellt Lyrik über Ludwigsburg vor
Eine Dichterin hat ihre Arbeit schon vollendet. Es ist die Berliner Lyrikerin Rike Scheffler, die den einmaligen Job als Ludwigsburger Stadtschreiberin ergattern konnte. Sie durfte auf Kosten des Hauses zwei Monate lang die Stadt erkunden, um aus den gewonnenen Eindrücken ein großes Ludwigsburg-Werk zu schaffen. Die Auftragsarbeit wírd am Freitag, 19. Oktober, im Rahmen der Langen Nacht der Poesie zum ersten Mal zu hören sein.
Ein Werk über Ludwigsburg. Ein Wichtiges? Wer weiß? So etwas hat es in Ludwigsburg jedenfalls schon lange nicht mehr gegeben.
Die Landeshauptstadt, die an literarisch auffällig gewordenen Söhnen längst nicht so reich ist wie die ehemalige Residenz, hat so etwas komischerweise zu bieten. Das muss der Neid den Stuttgartern lassen. Einen derart lesenswerten, entlarvenden Roman wie Anna Katharina Hahns Stuttgart-Rhapsodie „Kürzere Tage“ aus dem Jahre 2009 gibt es unseres Wissens über Ludwigsburg nicht.
Warum? Auch das ist eine Frage, die während der Literaturtage in Ludwigsburg erörtert werden könnte. Vielleicht sogar am Mittwoch, 10. Oktober, beim Abschlussabend des Projekts „Ludwigsburg liest ein Buch!“. Die Sommerlektüre war Anna Katharina Hahns jüngster Roman „Das Kleid meiner Mutter“.
Die Stadt in der Literatur. Wien? Natürlich: Heimito von Doderers „Strudlhofstiege“. New York? Wer denkt da nicht sofort an John Dos Passos „Manhattan Transfer“? Alfred Döblin schrieb „Berlin Alexanderplatz“ und Balzacs „Comédie humaine“ führt den Leser immer wieder ins Paris des frühen 19. Jahrhunderts, diesen kulturellen Nabel, nicht nur der französischen Welt.
Und Ludwigsburg? Wenn nicht jetzt, wann dann, haben sich 2014 die „Stadtschreiberinnen“ Regina Boger, Doris Gräter und Hedwig Seibt gesagt. Sie veröffentlichen auf ihrer Internetseite „Ludwigs-Bürger!nnen“ Biografien von Menschen aus Ludwigsburg.
Am Mittwoch, 17. Oktober, werden im Foyer des Stadtarchivs einige davon präsentiert. Die Musik dazu spielt die Gruppe Blusette.
Als Höhepunkte des Literaturfestes gelten die vier langen Literaturnächte, bei denen bekannte Schriftsellerinnen und Schriftsteller Passagen ihrer Werke vortragen werden. Bei der Langen Nacht der Poesie am Freitag, 19. Oktober, sind neben der erwähnten Rike Scheffler auch Safiye Can und Mary Jo Bang zu Gast.

Lange Nächte für Liebhaber von Krimis und Science-Fiction
Einen Tag später, am 20 Oktober bei der langen Kriminacht, beehren unter anderen Tom Hillenbrand, Volker Kutscher und Jan Seghers die Stadt.
Die Lange Nacht der Zukunft am Samstag, 27. Oktober, ist dem Science-Fiction-Genre gewidmet. Es lesen zum Beispiel: Leif Randt und Marcus Hammerschmitt.
Mit der ersten langen Nacht, die der Stadt gewidmet ist, beginnen die Literaturtage in Ludwigsburg. Am 13. Oktober setzen Anna Katharina Hahn, Ulla Lenze, Jean-Philippe Toussaint und Aleš Šteger erste Ausrufezeichen der fast zweiwöchigen Literaturveranstaltung für geübte, ungeübte und auch für junge Leser.
Die Eröffnung findet im Scala statt. Dort hielt vor Kurzem, im Rahmen des neuen Ludwigsburger Filmfestivals „Lichtspielliebe“ mit Wim Wenders ein großer Poet des Films, ein leidenschaftliches Plädoyer für das Kino. Er, der mit „Der Himmel über Berlin“ eines der schönsten Stadtporträts der Kinogeschichte hat, sprach sich für den Wert der großen Leinwand aus.
In den Zeiten der um sich greifenden Verknappung der Sätze und der Verkümmerung der Sprache zu Kurznachrichten, kann das Buch, kann die Dichtkunst, das 35. Literaturfest, dieses große Kino fürs geschriebene Wort, gut gebrauchen.

 

INFORMATION
Weitere Infos unter https://www.stadtjubilaeum-ludwigsburg.de/programm/literaturtage.
 
Michael Langjahr