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Joachim Feigl in der Ausstellung.

Joachim Feigl in der Ausstellung.

Foto: Holm Wolschendorf

Wo Geschichte gesammelt und gelagert wird

Ludwigsburg: Am 26. März wurde im Ludwigsburger Staatsarchiv eine Fotoausstellung eröffnet, die mit Aufnahmen voller Stille und Anmut auch die Arbeit im eigenen Hause dokumentiert. Der aus Sigmaringen stammende Fotograf Joachim Feigl bekam Zutritt zu bedeutenden Lagerstätten historischer Dokumente in Baden-Württemberg. Die Ernte seiner fotografischen Schatzsuche kann jetzt in der Ausstellung "Geschichte machen" bewundert werden.

Archivare sind Hüter der Vergangenheit. An stillen Orten sitzen sie, meist im Verborgenen bleibend, und bewahren, was übriggeblieben ist von glorreichen oder auch bitteren Tagen. Die Öffentlichkeit nimmt selten Notiz von ihrer Arbeit. Aber zum Glück fällt hin und wieder doch ein Schimmer ihres Tuns in die Welt.
Der Fotograf Joachim Feigl hatte die Idee zu einer Fotoreportage zu diesen wissenschaftlichen "Geschichtemachern". Die Frauen und Männer in den Archiven gewährten ihm Einblick in die Sammlungen, die sie hüten wie einen Schatz. Er durfte ihnen bei ihrer Archivarbeit zusehen. Und was noch wichtiger ist: sie ließen sich dabei fotografieren.
Ein guter Fotograf stört nicht weiter. Er macht sich quasi unsichtbar. Nur so lassen sich authentische, ungestellte Aufnahmen machen.
Fast zwei Jahre lang ist Joachim Feigl von Archiv zu Archiv gereist. Insgesamt besuchte er für seine Fotoserie 24 Orte, darunter das Archiv für Familienforschung in Leonberg, das Archiv Soziale Bewegungen in Freiburg, die Außenstelle des Bundesarchivs in Ludwigsburg, das Historische Archiv der Firma Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen, das Staatsarchiv in Ludwigsburg und das Grundbuchzentralarchiv Kornwestheim. Dabei war ihm der Zauber der Archive schon auch wichtig. Doch noch mehr interessierten ihn die Menschen, die dort werktäglich ein- und ausgehen.

Das Leben der Archivare

"Durch das Projekt habe ich die Archivare schätzen gelernt und die Kontakte genossen", berichtet Joachim Feigl in einem Interview. Sie seien ihm sehr sympathisch geworden. Bei jedem Besuch im Archiv habe er viel erfahren, viel gelernt und auch persönlich davon profitiert.
Nun haben die Besucher der Ludwigsburger Ausstellung etwas von seinen Visiten. Im Staatsarchiv können sie nicht nur sehen, es gibt auch etwas zu lernen. So räumt die Exposition mit einem alten Vorurteil auf. In Wirklichkeit ist der Beruf des Archivars heutzutage keiner, der in Verbindung gebracht werden kann mit dem einsamen Vor-sich-Hinarbeiten in dunklen, staubigen Ecken. Vielmehr ist es ein moderner Beruf, bei dem viel kommuniziert wird und moderne Medien eingesetzt werden. "Darauf hinzuweisen war doch auffallend vielen Archivaren wichtig", berichtet Joachim Feigl.
Beim Betrachten der Ausstellungsbilder kommt auch der unterschiedliche Charakter der Archive zur Geltung. Alles ist dabei. Von der One-Man-Show bis zum Landesarchiv mit Dutzenden von Mitarbeitern. Einige sind bestens ausgestattet, mit den modernsten Kommunikationsmitteln und technischem Equipment. Andere müssen mit wenig Platz und alten Computern auskommen. Ein weiterer Unterschied ist der vorhandene Raum für die Archivgüter. Zum Teil sind die Archive so voll, dass die Archivalien schon auf den Gängen gestapelt werden, andere haben noch Kapazität für viele Jahre. Spannend sind auch die Unterschiede in der Architektur und Gestaltung einiger Archive. Da gibt es moderne Neubauten, moderne Umbauten in alten Gebäuden und historische Gebäude.
Ein Archiv, das Joachim Feigl besonders in Erinnerung geblieben ist, steht in Donaueschingen. "Das Fürstlich Fürstenbergische Archiv wurde vor 250 Jahren als Archiv, also genau für diesen Zweck, gebaut. Dementsprechend ist der Aufbau durchdacht, aber auch die Einrichtung, vor allem die wunderbare Bibliothek, ist fantastisch" erinnert sich Feigl. Ein absoluter Höhepunkt seien die Aufnahmen im sogenannten Barbarastollen, diesem zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland in Oberried, gewesen. Joachim Feigl: "Der Stollen wird nur zwei Mal im Jahr geöffnet, und ich war sehr froh über die Genehmigung zum Fotografieren."
Das Besondere an diesem Ort: Zunächst folgt man dem Stollen über 300 Meter in den Berg hinein. Dann steht der Besucher vor einer dicken, rot gestrichenen Panzertür, hinter der sich das gesamte bedeutende Kulturgut der Bundesrepublik Deutschland auf Film gesichert befindet.
Die Arbeit und die Recherche haben Joachim Feigl sehr viel Freude bereitet. Die Bereitschaft der Institutionen und ihrer Mitarbeiter sei sehr hoch gewesen, berichtet er. "Der Anteil der Zusagen lag deutlich über dem Anteil der Absagen", sagt Joachim Feigl. In Summe habe er die allermeisten Archivare als offen, freundlich und sehr hilfsbereit erlebt.

 

Information
Geschichte machen - Ausstellung 26. März - 12. Juni 2015 Archive in Baden-Württemberg - Fotos von Joachim Feigl Landesarchiv Baden-Württemberg (Staatsarchiv Ludwigsburg) am Arsenalplatz 3, 71638 Ludwigsburg. Öffnungszeiten: Montag-Donnerstag: 9 bis 16.30 Uhr, Freitag: 9 bis 15.30 Uhr Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
 
Michael Langjahr